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 In der Botschaft, die Mutter Eugenia gegeben wurde und die von der Kirche als gültig anerkannt worden ist, richtet der Vater einige Wünsche an den Papst und an die Kirchlichen Autoritäten. Die dritte dieser Bitten ist, dass man Sein Abbild als Zeichen Seiner Anwesenheit verbreite. Wir zitieren den Wortlaut dazu aus der Botschaft:

„Ich wünsche, dass mir der Klerus dazu  verhilft, in jede Familie einzutreten, in die Krankenhäuser, die Werkstätten und Büros, in die Kasernen, die Sitzungsräume der Ministerien aller Nationen, in denen Entscheidungen getroffen werden und überall dort, wo sich meine Geschöpfe befinden, auch dort, wo sich nur ein einziges  von ihnen befindet.

Ich wünsche, dass das wahrnehmbare Zeichen meiner unsichtbaren Anwesenheit ein Bild sein soll, das zeigt, dass Ich wirklich anwesend bin. So werden alle Menschen all ihre Taten unter dem Blick ihres Vaters verrichten, und Ich selbst werde das Geschöpf, das ich nach seiner Erschaffung an Kindesstatt angenommen habe,  vor meinen Augen haben, und alle meine Kinder werden somit unter dem zärtlichen Blick ihres Vaters stehen.

Zweifellos bin ich auch jetzt überall, doch möchte ich auch wahrnehmbar verkörpert sein!“

Mutter Eugenia beauftragte einen namhaften Kunstmaler damit, den Vater so zu malen, wie sie ihn gesehen hat: mit schwarzen, langen Haaren, dunklen Augen, bartlos, mit dem Zepter und der Krone zu seinen Füßen.

Der Umstand, dass er keinen Bart trug, fand unbeugsamen Widerstand in den kirchlichen Kreisen und wurde zur Ursache großer Bitternis für Mutter Eugenia, die schließlich den Maler beauftragen musste, das Bildnis nochmals zu bearbeiten und einen fülligen, schwarzen Bart hinzuzufügen. Erst danach wurde die Verbreitung des Bildnisses gestattet.

Die Zensoren hielten es als abweichend von der bisherigen europäischen Tradition, die den Vater entsprechend dem menschlichen Konzept von Männlichkeit stets „mit Bart“ darstellte. Im Gegensatz zum Sohn sollte er auch als ein „Betagter“ erscheinen, wie es der menschlichen Vorstellung entspricht. Doch zwei Dinge wurden dabei nicht berücksichtigt: der Bart ist Zeichen der Menschlichkeit und die Betagtheit kann die drei Göttlichen Personen, die bartlos und jugendlich sind, nicht symbolisieren, wie es nach dem Beispiel der „Dreifaltigkeitsikone“ von Andréj Rubljow (gest. 1427) deutlich wird.

Was ist aus dem Gemälde geworden, das Mutter Eugenia malen ließ? Zunächst wurde es am Altar von Grenoble aufgestellt. Als dann die furchtbare Verfolgungszeit gegen Mutter Eugenia begann, die auch zur Vernichtung ihrer Schriften führte, ließ man es verschwinden und mit ihm alle angefertigten Kopien des Vaterbildes, die sie herstellen und verteilen ließ.

Wir haben in Frankreich danach gesucht, doch alles, was wir finden konnten, war das Bild aus einem sehr alten Druck, das etwas unscharf ist, das wir auf der ersten Umschlagseite der Botschaft des Vaters platzierten. Wir haben Frau Lia Gladiolo damit beauftragt, das Bildnis in die Ikonenbildsprache umzusetzen, die diesen Auftrag in vortrefflicher Weise erfüllte. Dieses Bildnis verbreiten wir vor allem in den Ländern des Ostens.


1980 befand ich mich im Kapuzinerkonvent in Lugano, Schweiz. In einer Ecke der Gartenanlage befand sich noch der alte Friedhof der Mitbrüder, auf dem acht Ordensmänner beerdigt lagen. Der Ort war inzwischen völlig verlassen und zudem als Parkplatz zur Verfügung gestellt worden. Man hatte beschlossen, zuvor die sterblichen Überreste zu exhumieren und auf den Friedhof eines anderen Konvents umzubetten.

Nachdem ich dies wusste, stand ich jeden Morgen um vier Uhr auf und arbeitete auf diesem kleinen Friedhofsstück, um den Mitbrüdern ihre Würde wiederzugeben: „Es nützt dazu, um diesen unseren Mitbrüdern zur Rückkehr in den Schoß des Vaters zu verhelfen.“, entgegnete ich denen, die die Nutzlosigkeit einer solch großen Mühe konstatierten.

Nach vier Monaten, als die Arbeit so gut wie beendet war, brauste plötzlich ein Schwarm fliegender Ameisen aus einem Gebüsch auf, die mich auf wilde weise überfielen und mein Gesicht bald in eine groteske Maske verwandelten. Für mehrere Tage war ich nun bei hohem Fieber ans Bett gefesselt. „Alles hat seinen Preis“, kommentierte dazu der heiligmäßige Kapuziner P. Mathieu, der aus Frankreich hierher in den Urlaub gekommen war.

Nachdem ich den Preis bezahlt hatte, machte ich mich erneut an die Arbeit. Mit dem letzten Spatenstich kam aus der Erde ein ovales Metallstück zum Vorschein (6,30 x 5 cm messend), das im Innern ein Glas mit einem Abbild (4,30 x 3 cm groß) Jesu nach dem Tod und bei der Rückkehr zum Vater zeigte.

Dieser Fund schien mir ein außerordentlicher zu sein, denn seit der letzten Beerdigung sind inzwischen 50 Jahre vergangen und das Bildnis war zuletzt nur noch durch ein Stückchen Karton geschützt.

Ich vertraute dieses Stück dann Jahre später einem Restaurator an, und mir wurde mitgeteilt, dass es sich nicht, wie ich es immer geglaubt hatte, um den Abdruck eines Bildes auf einem Stück Papier handelte, sondern um eine Miniaturarbeit auf Glas, die von der Rückseite aus nur durch winzig kleine Punkte gearbeitet war, in einer Technik, die bisher unbekannt geblieben ist.

Dieses Medaillon, das mir meine verstorbenen Mitbrüder vielleicht als Gegenleistung für meinen Liebesdienst geschenkt hatten, wies mir den Beginn eines neuen spirituellen Weges, der vollkommen zum Vater hin gerichtet ist, der im Sohn alle Menschen in seiner Zärtlichkeit aufnehmen will.

Das Reich des Vaters verwirklicht sich auf Erden, wenn jeder Mensch, Sohn im Sohne Gottes, die Liebe des Vaters verstanden haben und Trost in den geöffneten Armen Seiner Barmherzigkeit suchen wird.


Um die Kenntnis über den Vater in den Ländern des Ostens zu verbreiten, in denen sich die Frömmigkeit vor allem anhand von „Ikonen“ ausdrückt, beauftragte die Armata Bianca Frau Lia Galdiolo, eine der angesehendsten zeitgenössischen Ikonographinnen, das Bildnis des Vaters, wie es Mutter Eugenia aufgezeigt hat, in eine Ikone umzusetzen.

Nun, warum eine Ikone des Vaters? Damit der Vater „bekannt, geehrt und geliebt werde von allen Menschen“, wie Er selbst darum in der Botschaft bittet, die Er uns 1932 geschenkt hat und die nach einer aufmerksamen und harten Prüfung über gut zehn Jahre von der Kirche als gültig anerkannt worden ist:

 „Ich möchte, dass in jeder Familie mein Bild so aufgestellt wird, dass jeder es sehen kann. Ich möchte, dass sich jede Familie auf diese Weise unter meinen Schutz stellt, um mich somit viel leichter ehren zu können. Dort wird mich dann jede Familie an ihren Bedürfnissen, ihren Werken, ihren Sorgen, Leiden, Wünschen und auch Freuden teilhaben lassen, denn eine Vater möchte nun einmal alles wissen, was das Wohl seiner Kinder betrifft. Ich weiß es natürlich, denn Ich bin immer da, doch Ich liebe sehr diese Einfachheit. Ich weiß sehr gut, Mich euch anzupassen: Ich mache Mich mit den Kleinen klein, Ich mache Mich erwachsen mit den Erwachsenen, mit den Alten mache Ich Mich gleich, damit alle es begreifen, was Ich ihnen für ihre Heiligung und zu Meiner Ehre sagen will. Ich wünsche auch, dass dieses Bild in allen öffentlichen Gebäuden, in den Büros, den Wohnhäusern, Kasernen und Schulen aufgehängt werde…“

In diesen Zeiten der Ökumene können sich alle Seine Kinder im Vater anerkennen und in Ihm die Kraft haben, die bestehenden Barrieren zu überwinden und die von Jesus Christus so sehr gewünschte Einheit verwirklichen: „“Denn sie sollen eins sein, Vater, wie wir eins sind“ (Joh 17,22).
Wir glauben, dass in dieser Ikone auch unsre orientalischen Brüder den Vater anerkennen können, und wie schön wäre es doch, wenn vom Orient bis zum Okzident in allen Häusern derselbe Vater „erkannt, geehrt und angebetet“ würde. Es handelt sich hierbei um eine Ikone, doch auch eine Ikone kann zum Zeichen der Einheit dienen.

 

Mit der Ikone beten von Don Piero Brazzale

(…) Um die Sprache der Ikone voll und ganz zu verstehen, muß man sich eine kleine Mühe machen, die vielleicht etwas aufwendig für uns westliche Menschen ist. Man muß all die Bedeutungen der bestimmten Haltungen verstehen, der bestimmten Symbole und ihrer Farbgebungen.
Dabei handelt es sich vor allem darum, sich mit demütigem und reinem Gemüt in eine gelöste Betrachtungsweise zu versetzen.
Man schaut, man hört, man schweigt…
Die Ikone spricht zum Herzen, wenn sie betrachtet wird.

Der Glaube wird genährt, dringt in uns hinein, wird ausgekostet und gestärkt. Auf diese Weise zeigt uns diese Ikone mit Klarheit und Einfachheit das, was der Vater sein möchte, wie Er von uns gesehen und verstanden werden will. Das entsteht aus dem Gehorsam, das heißt in der Ruhe des Herzens, denn aus dem Gehorsam kann nichts anderes als unerschütterlicher Friede kommen. Es fehlte nicht an Ratschlägen erfahrener Personen, die die Ikonographin demütig angenommen hat.

Und nun… wünscht Gott Vater, der in der Stille spricht, dass wir uns vor Ihm in der Stille einfinden: in der Haltung des Erwartens und des Hörens.
Der barmherzige und treue Gott wird unsere Erwartungen und unsere Hoffnungen nicht enttäuschen können.
Tatsächlich ist die Ikone bereits Gebet!

                                                                 

DIE IKONE GOTT VATERS DES ALLMÄCHTIGEN von Lia Galdiolo

 1 -Der Titel

Gott Vater der Allmächtige will, dass die Menschen Sein Antlitz durch ein einfühlsames Bildnis betrachten, durch eine ikonographische Darstellung.
Es ist der barmherzige, geduldige Gott, der Spender allen Wohlbefindens, der die vom höllischen Feind vergifteten Herzen der Menschen an Sich ziehen will.
Hier also nun die Ikone des Vaters. Wer ist der Vater? So lautet Titel: Deus omnipotens: heiligster und allmächtiger Gott; Abba – Pater: für Jesus von Nazareth und alle seine Brüder ist Er: Papa: Abba, Vater (Mk 14,36).
Eine Reihe günstiger Umstände sagt uns, dass Gott Vater diese Ikone wünschte. Sie ist Ihm besonders lieb und besitzt besondere Kraft und Macht.
Auch der theologische Inhalt, den sie zum Ausdruck bringt, ist der kirchlichen Doktrin treu. Ebenso können hierfür die vorausgegangenen Privatoffenbarungen, die als ernsthaft und authentisch betrachtet werden, von einem bemerkenswerten spirituellen Nutzen sein. Die Ikone ist ein künstlerischer und besinnlicher Behelf für das wahre betrachtende Gebet. Meine Bemühung war, in dem Bildnis den Reichtum der biblischen Texte zu verdichten. Als Ikonographin habe ich meinen persönlichen Stil entwickelt, nachdem ich mit Liebe und Leidenschaft die klassische Form und Tradition zur Ausführung der Ikone studiert habe. Zu den bisher von mir erstellten Ikonen zählen „Die Frau, von der Sonne bekleidet“, „Jesus Barmherzigkeit“, „Die Heilige Familie“ und „Der Heilige Joseph“. Hier nun, gereift im Fasten, in der Stille, im Gebet und im Leid, diese Ikone des Vaters!

 2 -Ein Fenster, um den Göttlichen zu betrachten

Die Tafel ist ein Längsquadrat. Die Seitenzahl (4) spielt auf die vier Kardinalpunkte an und bedeutet, dass sich die Botschaft, die Gott Vater der Allmächtige mitteilen will, in alle Richtungen hin wendet. Es ist also eine Botschaft an die ganze Welt.
Die rechtwinkelige Form symbolisiert die Erde, auf der sich ein Fenster zum Göttlichen öffnet: dieses Fenster hat einen goldenen inneren Rahmen. Das Gold bedeutet das ewige Licht. Die Ikone ist daher ein Fenster, durch das man den Göttlichen betrachten kann. Hier betrachten wir den Vater. Schön und eindrucksvoll diese Definition der Ikone! Dann gibt es einen kleinen roten Saum, der den äußeren Rahmen der Tafel begrenzt. Welche Bedeutung hat dieser kleine rote Rand? Er deutet auf das am Kreuz vergossene Blut Jesu Christi hin. Wir können uns an den durch dieses Blut vollbrachten Wohltaten durch das Geschenk des Heiligen Geistes erfreuen. Auf der Stirn erahnt man eine weiße Figur, wie die einer Taube, die mit den geöffneten Flügeln die Augenbrauen überragt. Keine der drei Personen der Heiligsten Dreifaltigkeit handelt ohne die anderen beiden mit einzubeziehen. Und deshalb bemerken wir in der Ikone des Vaters sofort, dass auch der Sohn und der Heilige Geist anwesend sind. Die drei Reiche der Natur sind in dem benutzten Material repräsentiert, aus dem die Tafel gearbeitet ist, die das Bildnis trägt.
Dies ist bedeutsam und keinesfalls zu vernachlässigen, um den Reichtum der Ikone in seinem Sinn zu begreifen und zu erfassen.
Der pflanzliche Teil ist in dem Holz der Tafel selbst vertreten, während der tierische Teil durch das Muschelkalkpulver, den Leim, der aus Kaninchenhaut gewonnen und mit dem die Tafel überzogen wurde sowie durch das Ei, mit dem die Farben gestreckt wurden, repräsentiert ist.
Das Reich der Minerale ist in den Farben gegenwärtig, die Metalloxyde, Ocker und Gold sind.
Die Tafel wurde wie eine Wiege vorbereitet, in der das Geheimnis aufgenommen wird, so, wie Gott die Schöpfung vorbereitete, damit sie das aufnehme, was ihr König sein sollte: der Mensch, König der Schöpfung.
Im Hintergrund unter der schlichten Bank, auf die sich Gott Vater der Allmächtige setzt, besteht Undurchsichtigkeit: die Farbe ist nahezu schwarz. Es ist eine bläuliche und unklare Farbgebung (nicht einheitlich), das gleiche auch oberhalb auf dem Hintergrund, wo sich die Inschriften befinden. Diese düstere Farbe bezeichnet den Garten Eden, den Garten der Wonnen, auf den ein Nebel niederfällt,derihn entstellt, zerstört und traurig verwelkt werden lässt. Es ist der lange Winter, verursacht durch das Verhalten des menschlichen Herzens, das es vorzieht, aus sich selbst heraus zu bestimmen, was gut und was böse ist.
Es ist der düstere Nebel der Sünde des Menschen.

3 - Die blaue Kugel

Der Vater hält in der linken Hand und angelehnt an seine Brust eine blaue Kugel.
Halten wir uns zuerst bei ihr etwas auf, denn sie hat eine fundamentale Bedeutung. Es ist nicht schlichtweg nur die Welt, also der Globus! Hier nun ihre Bedeutung.
Nach der Rebellion Adams zieht sich der Vater zurück, lässt den Menschen handeln und wartet geduldsam ab, dass er, dem seine Freiheit belassen ist, sich seines Fehlers bewusst wird und beschließt, zu Ihm zurückzukehren. Diese Wartezeit dauert Jahrtausende. In der Zwischenzeit bereitet der Vater den Plan zur Errettung des Menschen vor, längst von Seinem barmherzigen Herzen vorausgesehen und festgesetzt.
Dieser Plan der Rettung hat seinen Höhepunkt in der Ankunft des Wortes, der Menschwerdung des Sohnes, der durch Seinen Tod und Seine Auferstehung erneut die Verbindung des Menschen zum Heiligen Geist herstellen wird.
Beim „alles ist vollbracht“ Jesu Christi am Kreuz kann endlich dieser Plan, der dem Herzen des Vaters so teuer ist, beginnen: die Vergöttlichung des Menschen und durch den Menschen eine neue Schöpfung.
Alles das soll die blaue Kugel zum Ausdruck bringen: sie ist der Liebesplan Gottes, den Er an sein Herz drückt und still in seiner Hand hält. Die blaue Farbe weist darauf hin, dass der Plan, seine Ausführung und Verwirklichung göttliches Werk sind.
Das Alpha und das Omega, das die ganze Fläche überdeckt, verweist auf das Wort, den Anfang und das Ende aller Dinge. Wie es heißt: „Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, das geworden ist.“ (Joh 1,3).
Die Kugel ist von dem goldenen Kreuz überragt. Das Kreuz ist der Thron des Unschuldigen Lammes, das sich für die Errettung aller Menschen hingegeben hat.
Das Gold bedeutet Ewigkeit. Die Väter der Kirche sagen es deutlich, dass „das Kreuz im Herzen des Vaters seit Ewigkeit her geschrieben stand“.
Diese blaue Kugel, die der Vater liebevoll in seiner linken Hand hält, ist wirklich voll der Bedeutungen.

4 - Die Figur des Vaters füllt die ganze Ikone

Um Seine Bereitschaft allen Menschen zu offenbaren, nämlich dass sie Ihn kennenlernen mögen, ist seine Position perfekt frontal gehalten.
Die Figur ist auf einer goldenen Mandel platziert, die bis um seine Schultern gezeichnet ist. In ihr sind auch die geöffneten Himmel eingeschrieben.
Die blauen Himmel sind die von den himmlischen Geistern bewohnten Orte, sie sind dem Thron des Allerhöchsten am nächsten. Sie repräsentieren alle Engelsmächte in den 12 züngelnden Flammen, in denen man die ziemlich aneinander gereihten Seraphin erahnt. Das sind die Glühenden: 6 rechts und 6 links.
Die Seraphin betrachten erstaunt die außerordentlichen und unvorhersehbaren Aktionen Gott Vaters, der in Seiner unendlichen Liebe und Seiner unermesslichen Barmherzigkeit nicht nachlässt.
Die Zahl 12 bedeutet „verantwortliche Autorität“: wie die 12 Apostel, die Patriarchen, die Sterne auf der Krone der Frau von der Sonne bekleidet usw. Die 12 Seraphin sind nicht nur Betrachter, sondern auch treue Boten und Vollstrecker des Willen des Vaters.

5 -Das Antlitz

Philippo sagte zu Jesus. „Herr, zeige uns den Vater und das genügt.“ Er antwortete: „Philippo, wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 14,9).
Jesus wollte damit sagen, dass Er ebenso wie der Vater am Werke ist und dass Er in allem den Willen des Vaters vollbrachte…
Nun, wie aber das Antlitz dessen darstellen, der nicht darstellbar ist?
Die östliche ikonographische Tradition hat den Vater stets als einen weisen Betagten dargestellt, voll der Güte und Würde und mit einem weißen wallenden Bart.
Der Bart ist jedoch ein Attribut für einen Menschen aus Fleisch und Blut, ein Zeichen seiner Männlichkeit. Der weiße Bart drückt das Altern des Körpers aus und ist somit ein Hinweis auf die Vergänglichkeit des Fleisches.
Man kann diese Dinge nicht für die Figur des Vaters anbieten, der reiner Geist ist. Das hatte der heilige Mönch und Ikonenmaler Andrej Rubljow bereits sehr gut empfunden, als er 1420 die so berühmte Ikone der Heiligsten Dreifaltigkeit anfertigte. So habe ich mich an dieser Ikone inspiriert, sowohl was das Detail als auch den fehlenden Bart, die Farben der Tunika und den Mantel betrifft.
Hier nun vor uns dieses majestätische Angesicht nach den Maßstäben orientalischer ikonographischer Tradition, das Frieden, Kraft und Abgeklärtheit ausstrahlt.
Der Kopf ist von einem weißen Heiligenschein umgeben, der „Glorie“ bedeutet, von dem sich die griechischen Initialen (Omikron = O, Omega = ?, Äta = ?, Nü = ?) des Namens abheben, der Moses auf dem Berg Horeb von Gott offenbart wurde:
„Ich bin der, «Ich-bin-da»…“ (Ex 3,14): ‚Ich bin also per definitionem der, der ist, der existiert’.
Die schwarzen Haare bedeuten das „göttliche Dunkel“ oder auch „unzugängliche Geheimnis“, das für den menschlichen Verstand all zu tiefgründig ist. Die Haare scheiteln sich über der Stirn, gleich dem Himmel, der sich dem Licht öffnet.
Die Haare sind von goldenen „Strähnen“ durchzogen, ähnlich dem Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel von Jerusalem, der von oben bis unten zerriß, als das Herz Jesu von der Lanze durchbohrt wurde. Die göttliche Gerechtigkeit fand also ihre Erfüllung, die Feindschaft mit Gott wurde beendet, der Mensch konnte erneut das Angesicht Gottes betrachten. Dies also sagen uns die schwarzen Haare und die goldenen Strähnen darin.
Die zierlichen Lippen drücken den Akt des Heiligen Geistes aus, der das Leben einhaucht. Und auf dieses Geschehen weist auch der leicht geblähte Hals hin.
Die Augen blicken überall hin, sie schauen zu allem in zärtlicher Liebe. Sie erwarten zusammen mit uns eine Antwort.
Hinter dem Rücken erahnt man einen dritten Himmel: es ist jener Ort ewiger Glückseligkeit, zu dem Er uns alle hinführen will.

6 - Die Tunika und der Mantel

Er trägt eine blaue Tunika und einen roten Mantel: sie weisen darauf hin, dass es sich für uns um Gott Vater den Allmächtige handelt. Das Blau der Tunika bedeutet Göttlichkeit. Der rote Mantel drückt die göttliche Weisheit und die brennende Liebe aus.
Diese Farben, wie es sogleich auffällt, sind klar, transparent, ineinandergewoben, als sei Er von einem verklärendem Licht bekleidet.
Der Mantel ist sehr stattlich und weit, was für Aufnahmebereitschaft steht und der Zipfel, der herunterreicht und die Erde fast berührt, will all denen, die ihn zu erreichen trachten sagen, dass sie sich an dem Mantel festhalten können, um den heiligen Geist somit zu empfangen. Der Mantel selbst, der erfasst wird, kann Zeichen eines kostbaren Erbes sein, das man aufnimmt, um es getreu zu bewahren. Ähnlich wie es bei Elischa war…der in großer Dankbarkeit den Mantel Elijas empfing: das Zeichen seines spirituellen Erbes. (1 Kön 19,19).

7 - Die einzelnen Bedeutungen

Bleiben noch  verschiedene Einzelheiten von großer Bedeutsamkeit zu illustrieren, die Bank, die zwei Kissen, die rechte Hand, das Zepter, die königliche Krone und die Stellung der Füße.

a)  Die Bank, auf der der allmächtige Vater sitzt, ist sehr bescheiden, denn Er will, dass auch wir uns ohne Zögern und ohne Angst an Seine Seit setzen. Doch aus Motiven Seiner Göttlichen Gegenwart ist sie, obwohl sehr einfach, mit goldenen Strahlen überzogen.

b) Die zwei Kissen deuten darauf hin, dass sich Gott (die blaue Seite links) und der Mensch (die rote Seite rechts) an ein und demselben Ort miteinander unterhalten können, wie es zu beginn der Schöpfung gewesen ist.

c) Die rechte Hand ist erhoben und zeigt großzügig die Haltung des Segnens, denn als der gute Vater will Er die Welt nicht richten, sondern retten, und so bestätigt Er die Sendung Seines Sohnes. Jesus sagt uns ja: „Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“ (Mt 9,13).

d) Auch das Zepter, Symbol der Rechtsbarkeit, liegt zu Seinen Füßen auf dem Boden. Er will jetzt nur Barmherzigkeit übern.

e) Die königliche Krone, zu seinem rechten Fuß neben dem Zepter liegend, ist eine Aufforderung, uns nicht zu fürchten sich Ihm zu nähern. Er will uns alle Befangenheit nehmen, will uns an Sich ziehen und uns auf Seinen väterlichen Schoß nehmen.

f) Die Füße sind in einer Position, die bereits schon im Sitzen wie zum Gehen bereit sind. Der Vater will uns stets entgegengehen, um mit uns zusammenzutreffen.
Auch sie sind von einem Schein der Heiligkeit umgeben. Das Schwarz, das die Füße direkt umgibt, stellt keine Sandalen oder Strumpfwerk dar. Es ist das Schwarz des „göttlichen Dunkels“: also jenen immensen Reichtums und jener unendlichen Weisheit Gottes, deren Begreiflichkeit unerschöpflich ist.

Was für ein Reichtum an theologischem Inhalt und welcher Nutzen für unsere Hingabe und unser spirituelles Leben! Die Ikone ist kein Studiengegenstand, sondern ein Gegenstand zum Betrachten! Sie ist aus dem Gebet entstanden. Sie muß im Gebet und zum Gebet benutzt werden. Sie ist damit eine machtvolle Hilfe zum Gebet, zur Vereinigung mit Gott.
Sie belebt, denn sie stellt uns die Göttliche Person oder den jeweils Heiligen, den sie repräsentiert, aktuell vor. In diesem Falle hier ist der Vater gegenwärtig und wirkend.
Diese Ikone verhilft uns somit zu einer kindlichen und liebevollen Begegnung mit Gott Vater dem Allmächtigen.