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Der Rosenkranz des Vaters – Meditationen zu den Geheimnissen          


Im ersten Geheimnis betrachten wir den Triumph des Vaters im Garten Eden, als nach der Sünde von Adam und Eva die Ankunft des Retters versprochen wurde.

„Gott, der Herr, sprach zu der Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Ich setze Feindschaft zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachkommen und ihren Nachkommen. Sie wird dich am Kopf treffen und du wirst ihrer Ferse nachstellen.
Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder…
Zum Mann sprach er: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen! Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln lässt er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes musst du essen. Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen…“ (Gen 3,14-19).

Um in den Geist dieses Geheimnisses einzutreten, müssen wir vor allem die Konsequenzen der Erbsünde verstehen. Allgemein sagt man, dass der Mensch sündigte und Gott ihn zur Strafe aus dem Garten Eden verjagte. So ist es geschrieben, doch wenn man es in einer etwas tiefergehenden Aufschlüsselung liest, gelangt man zu einer andersartigen Schlussfolgerung.

Tatsächlich verlor der Mensch alle Qualitäten des Lichtes, mit dem er bekleidet war und folglich die besondere königliche Würde, er verbannte sich somit zum Leiden und zum Tod. Wer jedoch vertrieben wurde, war Gott, weil der Mensch in seinem Ungehorsam Ihn dazu zwang, aus seinem Herzen zu weichen.
Wir finden dazu einen Hinweis in Gen 6,3ff: „Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben… Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war.“

Trotzdem plante der Vater in jenem Moment, als Er von Adam und Eva zurückgewiesen wurde, die Erlösung, indem Er versprach, Seinen Eingeborenen auf die Erde zu senden.
Es wird eine neue Schöpfung sein, in der Ihm ermöglicht sein wird, in das Herz des in einer höheren Dimension erneuerten Menschen zurückzukehren. In der Tat, wenn Gott einmal einen Leib annimmt und sich zum Menschen macht, bezieht Er die ganze Menschheit in die Göttliche Familie ein.

Der Vater kehrt die Situation mit einer schöpferischen und erlösenden Liebe, die mächtiger als die Sünde und der Tod ist, vollständig um: das, was zu Anfang als eine Niederlage für Ihn erscheinen konnte, offenbart sich am Ende als ein großer Sieg, mit dem Er Seine Geschöpfe wieder erobert und den Weg zu den geräumigsten Horizonten weist, zur neuen Erde und zum neuen Himmel hin.

Dieser Triumph des Vaters „ist“ von Anbeginn her, weil Er außerhalb der Zeit ist, und was Er beschließt „ist“, seit dem Moment, in welchem Er es beschloss.

So ist der „Triumph“ des Vaters zu verstehen. Nicht dem armseligen menschlichen Sinne nach – das ist nämlich die Behauptung der eigenen Überlegenheit, die den Beleidiger demütigt und straft – sondern dem eigentlichen Göttlichen Sinne nach; „Je mehr ihr euch darauf versteifen werdet, mich zu beleidigen,  um so mehr werde ich mich darauf versteifen, euch zu verzeihen.“ Die Rache Gottes ist die Barmherzigkeit.

Der Triumph des Vaters ist der Sieg Seiner unbegrenzten Demut und Seiner unendlichen Liebe: Er klopft an, wartet, kehrt zurück und klopft nochmals an, solange, bis wir Ihm die Tür unseres Herzens öffnen. Er kehrt also zurück, und das ist ein großer Festtag.
Es ist eine Art Umkehrung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn: „Wer Mich aufnimmt, nimmt den auf, der Mich gesandt hat.“ (Joh 13,20); „Ich und der Vater werden zu ihm kommen und in ihm wohnen.“ (Joh 14,23).  gehe zurück                 


Im zweiten Geheimnis betrachten wir den Triumph des Vaters im Moment des „Fiat“ Mariens bei der Verkündigung.

„Der Engel sprach zu Maria: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben und er wird in Ewigkeit über das Haus Jakob herrschen und sein Reich wird kein Ende haben.“ …Da sagte Maria: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ (Lk 1,30ff.)

Der Triumph des Vaters besteht also in dem Kommen und Besitznehmen Seiner Geschöpfe. Das muß uns nachdenklich machen bezüglich der Bedeutsamkeit unseres Willens: wenn wir zu Gott „Nein“ sagen, erlauben wir Ihm nicht zu kommen und bleiben allein mit uns selbst. Das ist Dunkelheit, Verzweiflung und Tod.
Wenn wir zu Ihm „ja“ sagen, lassen wir Ihn kommen, das Licht erhellt die Dunkelheit unseres Geistes, und wir werden zur „lebendigen Ehre Gottes“. Wie Jesus, wie Maria.

Maria hat mit ihrem „Ja“ das „Nein“ der Eva annulliert und nimmt Gott auf, der sich – in einem Akt von Demut und grenzenloser Liebe – zum Menschensohn macht und zurückkehrt, um Wohnung in Seinem Paradies zu nehmen.
Jesus, der neue Adam, der spricht „Ich komme, Vater, um Deinen Willen zu erfüllen“ (Hebr 10,9), ermöglicht dem Vater, die Neuerschaffung zu realisieren. Jesus und Maria sind die Vorbilder der neuen Menschheit, durch die wir wiederhergestellt sind. Wenn auch wir uns, so wie sie, der Fülle Gottes öffnen und Ihm gestatten, Wohnung in uns zu nehmen, wird Er auch durch uns Sein Reich des Lichtes ausbreiten können.

Lernen wir, diese tiefe Wirklichkeit zu leben. Lernen wir, wie Jesus und Maria, Triumph der Liebe des Vaters in einem dauerhaften „Ja“ zu sein.

„Ja“ zum Willen des Vaters zu sagen ist schwierig, weil früher oder später Sein Wille im Kontrast zu unserem Willen stehen wird; wir werden auf Situationen stoßen, die uns nicht recht erfreuen werden: das wird der Kelch sein, den wir trinken müssen, und es wird in uns Widerwillen erregen. Es wird das Getsemani in der Stunde unseres Todes und unserer Auferstehung sein. gehe zurück

Im dritten Geheimnis betrachten wir den Triumph des Vaters im Garten von Getsemani, als Er alle Seine Macht dem Sohn gab.

„Danach kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Grundstück. Das man Getsemani nannte, und er sagte zu ihnen: „Setzt euch und wartet hier, während ich dort bete.“ Er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Angst und Traurigkeit. Er sagte zu ihnen: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Bleibt hier und wacht mit mir.“ Und er entfernte sich ein Stück, warf sich zu Boden und betete: „Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Dann ging er zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Er sagte zu Petrus: „Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Dann ging er erneut weg und betete: „Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille.“  (Mt 26,36-43).
Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Er betete in seiner Angst noch inständiger, und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte. (Lk 22,43-46).
Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: „Schlaft ihr immer noch? Die Stunde ist gekommen, jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen. Seht, der Verräter, der mich ausliefert, naht.“ (Mt 26,45-46).
Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer, und sie kamen dorthin mit Laternen, Fackeln und Waffen. Jesus ging hinaus und sagte zu ihnen: Wen sucht ihr?“ Sie antworteten: „Jesus, den Nazarener.“ Jesus sagte zu ihnen: „ICH BIN ES!“ Kaum hatte er gesagt „ICH BIN“, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. (Joh 18,3-6).

Prüfen wir jeden Teil dieser Beschreibung der Angst Jesu in Getsemani, weil es tiefste Bedeutsamkeit hat, um das Herz des Vaters zu begreifen, und um uns auf der Straße zur Heiligkeit führen zu lassen. Getsemani ist die obligate Passage auf dem Weg nach oben, nämlich zum Vater hin.

Was bedeutet „Getsemani“? Es ist die große Agonie, der große Kampf mit dem „Gegner“, den Jesus in Seinem Menschsein ertragen muß, als „Menschensohn“, um alle Menschen loszukaufen. Er findet sich einer Tatsache gegenübergestellt, die stärker ist als Er: es ist Jesus der Mensch, in seiner ganzen perfekten Menschlichkeit und daher tiefsten Sensibilität, der mit dem großen Gegner zusammentrifft, der sich „Tod“, „Übel“, „Sünde“ nennt. Es ist für Ihn „die Stunde der Finsternis“, jene des zweiten Gefechtes: das erste war in der Wüste erfolgt, als Jesus die erste Phase dieser Schlacht gewonnen hatte und „der Teufel für eine gewisse Zeit von Ihm abließ“ (Lk 4,13). Getsemani ist „die Zeit“ des zweiten und entscheidenden Kampfes, in dem sich alle Arten von Menschen befinden.
„Ich werde beginnen, Traurigkeit und Angst zu kosten“.

In Getsemani ist die Kraft des Wunders von Jesus geschwunden, jene übernatürliche Energie, die Ihn über alle Ihn umgebende Wirklichkeit herrschen ließ, die Dämonen in die Flucht schlug, die stürmische Wogen beruhigte, Tote erweckte. Mit dieser Macht ging Er gegen das Böse vor und löste es auf: „Er heilte alle“, sagt das Evangelium.
Nun kehrt sich alles Böse gegen Seine Menschlichkeit und Er bittet Seine Vertrauten um Hilfe, weil Seine „Seele betrübt bis in den Tod ist“, es beginnt die Prüfung der „Traurigkeit und Angst“. Doch seine Freunde schlafen, der „Gegner“ hat sie seit Beginn der Feindschaft außer Gefecht gesetzt, ihren Willen chloroformierend, denn sie haben nicht gebetet und ihr „Fleisch ist schwach“.
Jesus verbleibt allein mit dem Vater, und an Ihn wendet er Sich: „Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber, aber nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ (Mt 26,39).

In diesem existentiellen Zusammenstoß zwischen dem eigenen „ich“ und Gott ist der Endsieg bei Gott, weil Jesus Seinen Willen jenem des Vaters unterordnet. Es ist der große Sieg, der Loskauf vom „Nein“ Adams. Doch Er erringt den Sieg in einem Blutbad.

„Sein Schweiß wurde wie zu Tropfen von Blut, die auf die Erde fielen.“

Das Blutschwitzen ist ein Phänomen, das sich in äußerst wenigen Fällen als Folge exzessiven psychischen Traumas prüfen lässt. Das Schwitzen Jesu ist derart reichlich, um die Erde zu benetzen. Als Er bemerkte, dass das Bewusstsein schwindet, klammert Er sich an den Vater, weil er in Ihm jenen Trost sucht, den die vom Schlaf betäubten Brüder Ihm nicht geben konnten. Der Vater antwortet unverzüglich auf das Flehen des Sohnes und sendet Ihm einen Engel.

Der Engel des Kelches

Es ist der Engel des Trostes, der Engel des Kelches. Was enthält dieser Kelch? Er enthält den Willen des Vaters und Jesus trinkt ihn; und während Er den Willen des Vaters trinkt – das vollkommene „Ja“ – verbindet Er sich (kommuniziert Er) mit dem Vater, der Ihm alle Seine Kraft gibt.
Der Vater verbindet sich mit dem Sohn, und nunmehr befindet auch Er sich in Agonie, so, wie der Sohn. Wenige Stunden zuvor war dieser – durch den Kelch – mit den Aposteln verbunden.
Jesus trinkt in diesem Moment die ganze Lebenskraft des Vaters, was Ihm ermöglicht, sich zu erheben. Er tadelt Seine Freunde in Güte und kommt dem entgegen, der Ihn verkauft hat mit den Worten, die ein Ruf der Liebe sind: „Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen…Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus?“ (Mk 14,41). „Judas, mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?“ (Lk 22,48).

„ICH BIN!“: Der Vater ist in Jesus.

Jesus ist wiedergekommen, um wie immer der Meister zu sein, sogar mächtiger als zuvor, weil in Ihm jetzt die Fülle der Allmacht des Vaters ist. Um überzeugt davon zu sein, betrachten wir nun, was bei der Begegnung mit der Menschenmenge und den Wachsoldaten geschieht, als sie kamen, um Ihn zu ergreifen:

„Wen sucht ihr?“ Sie antworteten: „Jesus, den Nazarener.“ Jesus sagte zu ihnen: „Ich bin es!“ (Joh 18,6).

In der italienischen Version finden wir den Text: „Das bin ich!“, doch dies deshalb, weil in dem Sprachfluss der phonetische Klang so besser zum Ausdruck kommt. In der lateinischen Version hingegen ist es „Ego sum“ und im Griechischen heißt es „??? ??µ?“. Die wörtliche Übersetzung ist daher: „Ich bin!“

„ICH BIN“ ist der Name des Vaters, der Sich selbst im Alten Testament so nennt: Moses sagte zu Gott: „Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Doch wenn sie mir sagen:“ Wie heißt er?“ , was soll ich ihnen darauf antworten?“ Gott sagte zu Moses: „Ich bin der, der ich bin.“ Dann sagte er: „So sollst du zu den Israeliten sagen: der ICH BIN hat mich zu euch gesandt.“ (Ex 3,13-14).

Indem Jesus also sagt: „Ich bin es!“ („Ich bin!“), zeichnet Er sich mit dem Namen des Vaters aus. Oder besser, der Vater tut Seine Gegenwart im Sohne kund und bezeugt Sich – Er äußert so Seinen eigenen Namen – auch mit Seiner MACHT, die das Charakteristikum des Vaters ist: Kaum hatte Er gesagt: „ICH BIN ES!“, wichen sie zurück und stürzten zu Boden… (Joh 18,6).

Der Vater trägt in Jesus die Last der Passion: wir haben Jesus auf die Erde zusammenbrechen gesehen, gepackt von „Trübsal und Bangigkeit“ (Mt 26,37) und „Angst“ (Lk 22,44). Er hatte einen derartigen Stress erfahren, der Ihn zum Blutschwitzen brachte. Nach den Thesen einiger italienischer Mediziner, die die Hintergründe dieses Phänomens untersuchten, hat Er wahrscheinlich einen Infarkt erlitten.
Wie hätte ein geschwächter Mensch in solch einer Lage die unverzügliche Kontrolle der Situation wieder aufnehmen können, eine solche spirituelle Kraft zu haben, „die Schar der Männer mit Schwertern und Knüppeln“ (Mt 26,47) zur Erde stürzen zu lassen, während Er selbst einige Minuten zuvor auf die Erde zusammengebrochen ist?
Wie hätte Er der Geißelung standhalten können, der Wegstrecke zum Kalvarienberg und der Kreuzigung?
Wie hätte Er die gesamte Passion durchstehen können, immer die Menschen und Ereignisse unter Kontrolle haltend, wie im Falle der Veronika, der weinenden Frauen, des guten Schächers?
Es ist der Vater, der im Sohn das Gewicht der Passion trägt und sie beherrscht, der sie Schritt für Schritt geht, solange, bis Jesus Seinen Schrei des Sieges hervorbringt: „Alles ist vollbracht!“ (Joh 19,30).

Kaum hat der Sohn diese Worte ausgesprochen, zieht sich der Vater aus diesem gemarterten Körper allmählich zurück, den Er nur bis zu diesem Moment am Leben erhielt.
Jesus verspürt dieses sich Entfernen des Vaters und kehrt in einen Moment der Verwirrung, wie er ihn in Getsemani empfand, zurück: „Um die neunte Stunde rief Jesus laut: „Eli, Eli lama sabactani?“ Das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“…und er stieß einen lauten Schrei aus und starb.“ (Mt 27,46-50).

Jesus hat Seinen Kampf ausgefochten und hat gewonnen, doch nicht allein: in Ihm hat der Vater gekämpft und gewonnen, mit der ganzen Macht des Heiligen Geistes, der danach in der Auferstehung ausbrach.

So ist es für jeden von uns.
Sind wir wachsam, dass wir nicht den Augenblick unseres Getsemani versäumen und sagen wir stets: „Vater, nicht mein sondern Dein Wille geschehe!“
Dies ist nicht leicht, weil „ja“ sagen zu Gott gleichbedeutend mit einem „Nein“ zum eigenen „Ich“ ist, weil es bedeutet sich selbst zu verleugnen, uns selbst zu sterben. Doch gerade das ist die Heiligkeit: mit jedem „Ja“ verringert sich unser „Ich“ und in uns wird mehr Raum frei, das Licht Gottes durchdringt uns zunehmend, wir werden weniger materiell und mehr spirituell. Wenn wir zu einem endgültigen „Ja“ geworden sind, wird unser „Ich“ gestorben sein, und nunmehr wird jeder von uns mit dem Hl. Paulus sagen können: „Nicht ich bin es mehr, der lebt, es ist Christus, der in mir lebt.“ Wir werden endlich frei sein.
Unser Leben wird im wahrsten Sinne des Wortes zufrieden gestellt und freudenreich sein, weil wir zu einem fortgesetzten Triumph des Vaters werden, der unseren Tod in eine immerwährende Auferstehung umwandeln wird.  gehe zurück

Im vierten Geheimnis betrachten wir den Triumph des Vaters im Augenblick des persönlichen Gerichts eines jeden.

Weiter sagte er: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Der Jüngere sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Der Vater teilte unter ihnen das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er eine zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen, aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier um vor Hunger! Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und war gerührt, lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn sagte zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und gegen dich; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Doch der Vater sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und ist jetzt wieder ins Leben zurückgekehrt. Und sie begannen, ein Fest zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz; er rief einen Knecht und fragte ihn, was das alles bedeuten soll. Der Knecht antwortete ihm: Dein Bruder ist zurückgekehrt und der Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Der Vater aber kam heraus und redete mit ihm. Doch er erwiderte seinem Vater: So viele Jahre diene ich Dir schon, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt, und du hast mir nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Nun aber ist dieser dein Sohn hier gekommen, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, für ihn hast du das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Sohn, du bist immer bei mir und alles was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern, denn dieser dein Bruder war tot und ist ins Leben zurückgekehrt, er war verloren und ist wiedergefunden worden! (Lk 15,11-32).

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist einleuchtend, um das Herz des Vaters zu begreifen – stets offen zum Verzeihen und treu in Seiner Liebe – und um das Herz des Menschen zu verstehen, das so zerbrechlich ist und sich leicht von falschen Lichtern blenden lässt.
Denken wir nun gemeinsam darüber nach, und vielleicht gelingt uns die Antwort auf das „Warum“, das grundlegend für unseren Glauben ist: „Warum lässt Gott das Böse zu?“
Ziehen wir daraus nur eine Betrachtung, rückblickend auf das Thema, das wir behandeln, und das ist die Regeneration des neuen Menschen: wer von den beiden Söhnen ist der „Gute“?

Nach strikter logischer Strenge ist es jener, der im Hause verblieben ist: „er hat dem Vater über viele Jahre gedient“; „er hat nie gegen seinen Willen gehandelt“; er hat ihn nicht gezwungen, ihm sein Gutteil zu geben um es dann „mit den Dirnen durchzubringen“; er hat sich nicht vom Herzen seines Vaters losgerissen wie er, um in den sicheren Untergang zu gehen; er hat nicht die Familie durch die vielen Skandale entehrt, den letzten eingeschlossen: sich zum Hüter der Schweine zu machen, die als unreine Tiere angesehen wurden …
Vor dem einfachsten moralischen Gesetz und dem Jüdischen Gesetz gibt es keine Schatten des Zweifels: der „Reine“, der „Gerechte“ ist derjenige, der im Hause verblieb; alles andere ist ein Gefüge von Unreinheit.

Trotzdem fühlen wir in uns, dass es nicht so ist. In unserem tiefsten Empfinden gibt es ein Echo auf die Freude des Vaters, und die Haltung des „gerechten“ Bruders stört uns wie ein krasser Missklang. Was ist es, das nicht zusammenstimmt?

Der Erste ist der Sohn des Gesetzes und der Gerechtigkeit, der Zweite ist der Sohn der Sünde und der Barmherzigkeit.
Der Erste ist formal „rein“ und hat die Überzeugung es zu sein, weil er nie das Gesetz übertrat. Doch diese Überzeugung hat in ihm einen ungeheuren Stolz reifen lassen, der ihn – unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit – ermächtigt, sich auf den Bruder zu stürzen, der gefehlt hat, sich gegen den Vater aufzulehnen, der ihn empfangen hat, gegen die Knechte, die an dem Fest teilnehmen. Gegen alle und gegen alles. Das ist der Sohn vor dem Gesetz, vor einem Gesetz, das in ihm die Liebe tötete und das in ihm ein riesiges „Ich“ hat wachsen und explodieren lassen, das keinen Raum belässt, nicht für den Vater und nicht für den Bruder. Weil in diesem zerstörerischen „Ich“ kein Raum für die Liebe ist, außer für diese sterile und trockene Eigenliebe.

Der kleinere Bruder hat das Gesetz in fast allen seinen Vorschriften übertreten. Er ist von einem Strudel von Leidenschaften gepackt, die ihn vollkommen mitgerissen haben. Mit einem Wort, ER HAT GESÜNDIGT, damit zutiefst seine eigene Würde, den eigenen Geist, den eigenen Körper, die eigene Familie verletzend.
Doch diese seine „Sünde“ hat in ihm den Mechanismus des Todes hervorbrechen lassen: „Per peccatum, mors“ sagte der Hl. Paulus, das bedeutet „aufgrund der Sünde ist der Tod gekommen“. Unter „Tod“ müssen wir den Tod des Geistes mit allen seinen Folgen interpretieren: jede Art des materiellen und spirituellen Leidens, vom physischen Schmerz bis zur Verzweiflung. Der junge Rebell ist spirituellerweise „tot“: „Dieser dein Bruder war tot“ sagte der Vater.
Von den vielen verschiedenen Leiden aus seiner Sünde ist der Tod seines „Ichs“ hervorgekommen. Voller Wunden des Leidens – Frucht der Sünde – fühlt er in seinem Innersten ein tiefes Bedürfnis nach wahrer Liebe und „fühlt“, dass nur der Vater sie ihm geben kann. Er kehrt nach Hause zurück, hält noch diese letzte Hoffnung am Leben, dass die Begegnung zur Sicherheit werde.

Und dann geschieht es, dass der Sohn, durch die Sünde im Geist getötet, vom Vater ein neues Leben erhält, das wundervoll ist. Jetzt gibt es eine Verbindung zwischen Vater und Sohn, nicht in Furcht und formalem Respekt, sondern in tiefer Liebe.
Die beiden Brüder sind die zwei Versionen Adams: die eine, die der Mensch gewesen wäre, wenn er nicht gesündigt hätte und jene andere, in der der Mensch von der eigenen Sünde Kenntnis nahm und durch die Liebe des Vaters erlöst wurde.

Wir müssen wie stets fragend antworten: Warum hat Gott die Sünde zugelassen?
Damit der Mensch am Abgrund der Sünde die unendlich barmherzige Liebe des Vaters erfahren kann.

Johannes Paul II. zeichnete ein Bild unserer Zeiten, indem er sich des Gleichnisses vom verlorenen Sohn bediente, um das Wesen des heutigen Menschen genau darzulegen: „Jener Sohn, der vom Vater das Erbteil verlangt, das ihm zustand und das Haus verlässt, um es in einem fremden Land „durch ein liederliches Leben“ zu verschwenden, trifft in gewisser Weise auf das Bewusstsein des Menschen aller Zeiten zu, beginnend bei dem, der als erster die Erbschaft der Gnade und der ursprünglichen Gerechtigkeit verlor. Das Gleichnis berührt indirekterweise jeden Bruch mit dem Liebesbündnis, jeden Verlust der Gnade, jede Sünde“ („Dives in Misericordia“).

Die Sünde ist heute groß, und wegen ihr erreicht das Leid unermessliche Ausmaße.
Daher wird das neue Menschengeschlecht schnell erstehen, damit die Menschen – zermürbt von dem Leid – in Gott ihren Vater wieder erkennen und Ihn anrufen werden.
Er wird kommen, und dies wird ein großer Festtag sein.  gehe zurück

 

Im fünften Geheimnis betrachten wir den Triumph des Vaters im Augenblick des Jüngsten Gerichts.

„Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah auch die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabgekommen, sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: „Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden Sein Volk sein; und Er, Gott, wird Gott-mit-ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen wischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offb 21,1-4).

Johannes sieht „einen neuen Himmel und eine neue Erde“: es ist der an Körper und Geist regenerierte und wiedererstandene Mensch, der deshalb imstande ist, die Göttlichkeit anzunehmen, die vom Himmel steigt. Es ist der Vater – und in Ihm der ganze Himmel – der kommt, um Besitz von Seiner Wohnung zu nehmen: das Herz des Menschen. Es ist die Fülle des Lebens, das sich im Menschen stabilisiert und das alles eliminiert, was den Tod kennt („der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal“). Es ist der Vater der im Sohne kommt und „alle Dinge neu“ macht (Offb 21,5), in einer Neuerschaffung, der das Leben jedem gibt, der es will, also allen, denn alle haben Durst nach dem Leben.
Endlich wird der Mensch Gott als seinen Vater wieder erkennen: „Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein“ (Offb 21,7).

Das ist die Verwirklichung des „Gott mit uns“, worauf die ganze Heilige Schrift hinweist.

Das, was Johannes in der Prophezeiung mit den Augen des Geistes „sieht“ ist ein Tag, den alle sehen werden: es wird der große Tag des Jüngsten Gerichts sein, das sind die von Matthäus in seinem Evangelium beschriebenen Tage: „Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit kommen sehen. Er wird seine Engel mit lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum anderen.“ (Mt 24,30-31).

Mit welcher Art von „Macht“ wird Er Kommen? Mit jener des Vaters. Die Macht ist das besondere Attribut Gott Vaters: „Gott Allmächtiger Vater“ sprechen wir im „Credo“ (Glaubensbekenntnis).
Sein ist die Macht des Erschaffens, des Regenerierens, die Kraft der Liebe, des Lichtes… Er wird gewiß nicht kommen, um zu zerstören, denn der Vater erschafft, er zerstört nicht. Er wird nicht kommen, um zu strafen, denn der Vater ist Barmherzigkeit. Er wird nicht kommen, um die Dunkelheit mit Dunkelheit zu mehren, weil der Vater Licht ist, das erzeugt und Licht gibt. Er wird kommen und „Er wird die Hülle zerreißen, die alle Nationen verhüllt und die Decke, die alle Völker bedeckt“ (Jes 25,7) und all das, was den Menschen daran hinderte, Ihn zu sehen und Ihn zu lieben.

Endlich werden wir Gott sehen, wie Er ist: Vater, unendlich sehr Vater, der nur der Liebe fähig ist und dazu, Seine Allmacht der Liebe auszuüben, um mit der Liebe das Böse zu überwinden, das Ihm Seine Kinder entriss, die Er nun erneut fest an Sich drücken will. Um sich allen und jedem zu schenken, um alle Kinder eins mit Sich zu machen, eins mit dem Sohn und eins mit der Liebe.

Endlich wird die Bitte, die uns Jesus im Vaterunser gelehrt hat, erhört: „Dein Reich (der Liebe) komme, Dein Wille (der Liebe) geschehe auf der Erde, so, wie es im Himmel ist.“
Himmel und Erde werden sich berühren. An die Stelle des gottlosen Babylon wird die Stadt Gottes treten, das neue Jerusalem.  gehe zurück

 
   

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